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Beliebt war im 15. und 16.Jh. die lehrhafte Darstellung der Erlösungstat Christi "Christus in der Kelter". Hier keltert Christus die Trauben und wendet damit den göttlichen Zorn von der Menschheit ab. Keltern mit den Füßen betrieb man in Frankreich noch bis ins späte 18.Jh. Ein Gobelin aus dem 15.Jh. zeigt die Lese, das Keltertreten und eine Weintrotte. Keltertreten zählte zu den anstrengenden Arbeiten, brachte aber auch Vorteile: Keltertreter litten weniger an Venenerkrankungen als andere Menschen. Heute nimmt die moderne Traubenpresse dem Winzer diese Arbeit ab. Als altes Erfahrungsgut blieb aber die Verwendung des Weinlaubes erhalten. Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Österreich, der Schweiz und in Spanien verwendet man das Laub von Vitis vinifera zu therapeutischen Zwecken. Als "Vigne Rouge" führte es das Französische Arzneibuch auf. Aus Folia Vitis viniferae und Pampini Vitis (Weinranken) bereitete man Aufgüsse und breiartige Umschläge, die bei Hautleiden, Blutungen, rheumatischen Beschwerden, vor allem aber bei der chronisch-venösen Insuffizienz der unteren Extremitäten mit Erfolg eingesetzt wurden. Der Weinstock liefert also dem Winzer bei seiner schweren Arbeit, die insbesondere die Beine beansprucht, auch das Arzneimittel zur Vorbeugung und zur Therapie. Wein und Weinlaub zählen zu den Arzneimitteln, die in unserer Zeit viel zu wenig Beachtung finden. Nicht nur in Frankreich kennt man diese alte Tradition, sondern auch an Rhein und Mosel, wo es in Bernkastel heute noch die berühmte Lage "Bernkasteler Doktor" gibt.

Die Vielzahl unserer Traubensorten stellen Züchtungen der Art Vitis vinifera L. dar, wobei der Gattungsname Vitis aus der lateinischen Sprache entnommen ist und Rebe bedeutet; vinifera heißt - ebenfalls lateinischen Ursprungs - Weinträger. Zur Gattung Vitis zählt man heute etwa 60 Arten, von denen mehrere eßbare Früchte bilden. Zusammen mit den Scheinrebengewächsen (Ampelopsis) und den in Gartenanlagen beliebten kletternden Jungfernreben (Parthenocissus), die durch ihre bunte Herbstfärbung das Auge erfreuen, bilden sie die Familie der Weinrebengewächse (Vitaceen). Unseren Wein keltern wir aus Vitis vinifera. Die Griechen nannten ihn "oinos" oder "ampelos", die Römer "vinum".

 "Das Grosse Oekonomische-Physikalische Lexikon" von 1757 bringt folgende kurze Definition zum Wein:

"Der Wein ist nach dem Wasser das natürlichste und älteste Getränk und hat diesen Vorteil, daß das Wasser zwar feuchtet und den Durst stillet, aber nicht nähret und noch weniger stärket, der Wein alles dieses zugleich verrichtet". 

 

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