Brennessel.
Anhand einiger Beispiele wollen wir nun derartige pflanzliche Arzneimittel betrachten. Hierzu zählt zunächst einmal eine Pflanze, die wir alle kennen. Es handelt sich um die Brennessel: Urtica dioica, die Große Brennessel (Abb.) und Urtica urens, die Kleine Brennessel. In Boscoreale, einem Ort am Fuße des Vesuv, entdeckten die Archäologen in einer verschütteten römischen Villa aus der Zeit um 40 v.Chr. außerordentlich naturalistische Wandgemälde, zu denen auch ein alter Mann gehört, der sich auf einen Stock stützt (Neapel, Nat.Mus.). Von den Gelehrten wird diese Gestalt meist als Philosoph bezeichnet. Dem unbefangenen Betrachter und dem Arzt offenbart das Bild aber noch mehr: Der alte Mann leidet an Rheuma. Das Gehen bereitet ihm Schmerzen, darum stützt er sich auf einen Stock.
Rheumatische Erkrankungen quälten schon die Menschen der Antike und so wundert man sich nicht, wenn die Ärzte dieser Zeit auch Pflanzen empfehlen, mit denen sich die Beschwerden lindern oder heilen lassen. Zu diesen Arzneien zählt die uns allen bekannte Brennessel, die der Gartenbesitzer und der Landwirt oft als lästiges Unkraut beschimpft.
DIOSKURIDES schätzte Brennesseln als wertvolle Arznei, von der er wußte, daß seine griechischen Landsleute sie als "akalyphe" in ihrem Arzneischatz besaßen. Andere römische Naturforscher und Ärzte wie PLINIUS und der am Hofe des Kaisers CLAUDIUS tätige SCRIBONIUS LARGUS folgten seinem Beispiel.