Ebenso beschäftigte sich der berühmte Gelehrte des späten Mittelalters ALBERTUS MAGNUS (1200-1286) eingehend mit den Arzneipflanzen. Von ihm wird berichtet, er habe in seinem Garten im Dominikanerkloster in Köln ein Gewächshaus besessen.
Von großer Bedeutung für die Betrachtung der Arzneipflanzen in historischer Sicht erwies sich die Vielzahl der Kräuterbücher, die im 15. und 16.Jh. geschrieben wurden. Hier kann nur an wenige Werke erinnert werden, etwa an das berühmte Buch, das LEONHART FUCHS, der als Professor der Medizin zunächst in Ingolstadt, dann in Tübingen lehrte, geschrieben hat und das 1543 in deutscher Sprache in Basel gedruckt wurde. Auch HIERONYMUS BOCK, der die in Deutschland heimischen Pflanzen in seinem 1539 erschienenen Werk darstellt, muß hier erwähnt werden. Hervorzuheben ist das berühmte Kräuterbuch des ANDREAS MATTHIOLUS, das 1554 in Venedig aufgelegt wurde. Nach seinem Tode (1577) brachten es mehrere Nachfolge-Autoren immer wieder neu heraus. Im Lehrbuch des Matthiolus finden wir z.B. zum ersten Mal eine sorgfältige Gegenüberstellung der Eßkastanie (Castanea vesca) und der nicht eßbaren Roßkastanie (Aesculus hippocastanum) Letztere entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Arzneimittel; erstere dagegen war schon lange als Heil- und Wirtschaftspflanze bekannt. Von den späteren Ärzten, die die Kräuterheilkunde intensiv förderten, sei zunächst THEOPHRASTUS BOMBASTUS VON HOHENHEIM (1493-1541) - in der Literatur finden wir ihn als PARACELSUS - genannt. Seine Werke umfassen viele Bände und es ist verständlich, daß hier auch zahlreiche Arzneimittel genannt werden. Von ihm stammt der berühmte Satz: "Alle Dinge sind Gift, nur die Dosis macht, ob ein Ding giftig oder nicht“.
Dieser Satz besitzt auch bei der Anwendung von Arzneipflanzen seine Bedeutung. Ein weiterer wichtiger Vertreter der Kräuterheilkunde war BOERHAAVE (1668-1738). Boerhaave war Professor der Medizin und Botanik in Leiden. Sein klinischer Unterricht wurde vorbildlich für viele andere Universitäten. In seinem botanischen Garten war es möglich auch Pflanzen vorzustellen, die aus anderen Erdteilen kamen, und er selbst war es, der sich mit der Wirkung dieser Pflanzen beschäftigt hat . Noch zu Beginn unseres Jahrhunderts haben sich viele namhafte Ärzte intensiv mit der Arzneipflanzenkunde beschäftigt. Hier wäre zum Beispiel CHRISTOPH WILHELM HUFELAND (1762-1836) zu nennen. Hufeland behandelte auch das preußische Königspaar; er ist als Begründer der modernen Geriatrie und als Vorkämpfer für eine diätetisch-prophylaktische Medizin bekannt.